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Geistlicher Impuls zum Wochenspruch am Sonntag Judika (29.3.2020)

Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er
diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.

(Matthäus 20,28)

Größe entsteht durch Dienst. Oft wird es in dieser Welt aber so gesehen: Reichtum, Macht und Einfluss bringen einen groß heraus. Jesus hingegen will einen Perspektivenwechsel: „…wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener.“ So heißt es in den Worten, die dem Wochenspruch voranstehen. Aus dem Dienst für andere erwächst Größe.
In diesen Tagen und Wochen der Coronakrise wird uns das deutlich bewusst. Wir sind all jenen dankbar, deren Wirken oft als selbstverständlich angesehen wird, die nun aber unser Land am Laufen halten. So gilt unser Dank etwa dem Müllmann, der Postbotin, dem Kassierer im Supermarkt, der Reinigungskraft im Krankenhaus. Da ist viel Einsatzbereit-
schaft vorhanden. Der Wochenspruch geht noch weiter. Er spricht vom Einsatz des eigenen Lebens. Wir wissen, dass Ärzte und die Pflegekräfte, die Covid 19-Patienten behandeln, selber erkranken können und so ihr Leben riskieren. Sie setzen für andere ihr Leben ein, um sie aus den Fängen des Virus herauszulösen. Unser Staat – und somit wir alle durch unsere Steuern und Krankenkassenbeiträge – unterstützen sie dabei mit viel Geld. Und viel Geld wird zugleich eingesetzt, um die Wirtschaft und viele Menschen vor dem finanziellen Ruin zu schützen. In der Medizin und im Staat wird gewissermaßen ein Loskaufpreis – ein Lösegeld – eingesetzt, um uns aus der Geiselhaft durch das Coronavirus zu befreien.
All das ist nicht leicht. Es hat im übertragenen und im eigentlichen Sinn seinen Preis. Wir selber merken das täglich. Wir müssen von anderen Menschen Abstand halten, das ganze öffentliche Leben ist zurückgefahren worden. Aber wir begreifen: es muss sein. Durch Verzicht werden Leben gerettet. Auf vielfältige Weise geht es in dieser Krise darum ein
Opfer zu bringen, damit nicht noch mehr Menschen dem Virus zum Opfer fallen. Der Einsatz von Leben rettet Leben. Jesus hat das nur zu genau gewusst: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.“

Pfarrer Dr. Dieter Splinter, Freiburg
Landeskirchlicher Beauftragter für den Prädikantendienst