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Geistlicher Impuls zum Wochenspruch am Ostersonntag, 12. April 2020

Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit
und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

(Offenbarung an Johannes 1,18)

Ostern ist die Antwort Gottes auf die Machtfrage.

Wer hat die Macht? Wer herrscht? Wer oder was regiert die Welt? Macht unter Menschen ist häufig von Konkurrenz bestimmt. Wer siegt? Wer verliert? Beim Kampf um die Macht wird bisweilen zu rigorosen Methoden gegriffen. Aus der Geschichte und in der Gegenwart fallen uns da schnell die entsprechenden Namen und Personen ein. Unser demokratisches Gemeinwesen hingegen organisiert und verwaltet Macht über die Gewaltenteilung: Legislative, Exekutive und Judikative. In „normalen“ Zeiten funktioniert das zumeist ganz gut. In Corona-Zeiten tritt nun allerdings die Exekutive – der starke Staat – besonders hervor. Um unserer Sicherheit willen schränkt er zurzeit unsere Freiheit stark ein. Die Allermeisten fügen sich, weil sie die Sinnhaftigkeit der Beschränkungen einsehen. Doch immer drängender wird
gefragt: Wie lange noch? Macht und Machtausübung in Geschichte und Gegenwart, in Politik und Wirtschaft haben in der Regel immer zwei Seiten. Sie sind ambivalent. Gottes Macht ist anders. Sie hat eine eindeutige Tendenz. Sie ruft aus dem Nichts ins Leben. „… Finsternis lag auf der Tiefe … Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war.“ (1. Mose 1, 2-3) Gottes Macht ruft ins Dasein. Sie ruft selbst noch aus dem Tod ins Leben. Irdische Macht muss am Ende immer vor dem Tod kapitulieren. Gottes Macht tut das nicht. Und deshalb werden die Frauen, die den Gekreuzigten in einem Felsengrab suchen, gefragt: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden!“ (Lukas 24, 5-6). Weil Gottes Macht stärker ist als der Tod, gehören zu Ostern immer auch Lieder des Triumphs: „O Tod, wo ist dein Stachel nun? Wo ist dein Sieg, o Hölle?“ (EG 113,1) „Jesus lebt, mit ihm auch ich! Tod, wo sind nun deine Schrecken? Er, er lebt und wird auch mich von den Toten auferwecken. Er verklärt mich in sein Licht;
dies ist meine Zuversicht.“ (EG 115,1)

Gewiss enthebt uns diese Zuversicht nicht einfach den Machtkämpfen, die es in unserem Leben im Kampf ums Dasein gibt. Irdische Macht ist dabei immer zweideutig. Den Zweideutigkeiten dieser Macht können wir uns auch als
Christenmenschen nicht einfach entziehen. Trotzdem ist für uns und zu unseren Gunsten die Machtfrage längst entschieden. Gottes Macht ist eindeutig. Sie ruft aus dem Nichts ins Dasein. Sie ruft aus dem Tod ins Leben. Dieser Macht Gottesvertrauen wir im Leben wie im Sterben. Wir tun es um Jesu Christi willen. Er stärkt unser Vertrauen indem er zu uns spricht: „Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“

Pfarrer Dr. Dieter Splinter, Freiburg
Landeskirchlicher Beauftragter für den Prädikantendienst