Praedicare.de

Geistlicher Impuls zum Wochenspruch an Quasimodogeniti 2020

(1. Sonntag nach Ostern)

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.

(1. Petrus 1, 3)

„Wiedergeboren … zu einer lebendigen Hoffnung…“. Diese Hoffnung hat ihren Grund. In den Anfängen der Christenheit wurde am Ostermorgen – meistens bei Sonnenaufgang – getauft. Auf die Taufe wurde in einer
dreijährigen Vorbereitungszeit (dem Taufkatechumenat) hingearbeitet. Zu diesem Katechumenat wurde
nur zugelassen, wer von zwei „sponsores“, also zwei Bürgen, empfohlen worden war. Später hat sich aus den „sponsores“ das Patenamt entwickelt. Während des Katechumenats galt es sich mit den Inhalten des christlichen Glaubens vertraut zu machen und zu lernen als Christ zu leben. In der Taufe am Ostermorgen wurde man in Wasser untergetaucht – so wurde gewissermaßen der „alte Adam“ abgewaschen – und zugleich wurde man in den Tod und die Auferstehung Jesu (Römer 6) hineingetauft. Danach bekam man ein langes weißes Taufkleid angezogen und nahm zum ersten Mal an der Eucharistie, am Abendmahl teil. Am Sonntag nach Ostern zogen dann die Neugetauften – wie die Neugeborenen (Quasimodogeniti) – in ihrem weißen Taufkleid zum Gottesdienst in die Kirche ein. (Bei unseren katholischen Schwestern und Brüdern ist daraus später der „Weiße Sonntag“ geworden.)
Heutzutage erinnern Taufen in einem See oder in einem fließenden Gewässer an den Taufritus der ersten Christen. Doch wie auch immer die Taufe vollzogen wird: Immer werden wir in der Taufe mit dem Tod und der Auferstehung Jesu verbunden. Der „alte Adam“ wird ersäuft und wir werden zu einem neuen Leben mit Christus berufen – und mit der Gewissheit versehen, dass uns nichts mehr scheiden kann „von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.“ (Römer 8, 39) Diese Gewissheit macht uns  widerstandsfähig. Sie lehrt uns dankbar zu sein. Sie versieht uns mit einer Hoffnung, die nie stirbt. In Coronazeiten werden in zahlreichen Ländern Bilder mit Regenbogen in die Fenster gehängt und so an das biblische Hoffnungszeichen erinnert, das Gott nach der Sintflut in die Wolken gesetzt hat. Als Getaufte haben wir um Jesu Christi willen erst recht Grund zu der Hoffnung, dass das Leben stärker ist als der Tod. Darum: „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“

Herzliche Grüße,
Ihr Dr. Dieter Splinter
Pfarrer