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Geistlicher Impuls zum Wochenspruch an Miserikordias Domini

Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir, und ich gebe ihnen das ewige Leben.

(Johannes 10, 11a.27-28a)

Gute Hirten werden gebraucht. Sie führen zum frischen Wasser und auf Wege, die gut begehbar sind. Sie behüten ihre Herde. Das tun sie besonders, wenn die Herde durch ein finsteres Tal muss, wo die wilden Tiere lauern. Dort beschützen sie ihre Herde mit „Stecken und Stab“. Weiden die Schafe hingegen auf einer grünen Aue,
lassen sie sie unbehelligt grasen. Sie behüten sie, binden sie aber nicht an.

Jesus Christus nimmt für sich in Anspruch solch ein guter Hirte zu sein. Er gibt Freiheit und führt auf einen Pfad, der über das eigene irdische Leben hinausweist. Die ihm folgen, wissen das. Christenmenschen kennen immer ihren wahren Hirten und darum vertrauen sie ihm.

Politikerinnen und Politiker sind keine Hirten. In einem demokratischen Gemeinwesen werden sie auf Zeit gewählt. Regieren sie, sind sie erst recht dem Wähler verantwortlich. Wähler sind kein Stimmvieh, sondern verantwortlich entscheidende Bürgerinnen und Bürger. Gerade darum erkennen sie, ob sie achtsam und mit Klarheit und Transparenz regiert werden.

Unserem Land wird vielfach von außen bescheinigt, dass es bisher relativ gut durch die Coronakrise gekommen ist. Das Gesundheitssystem ist nicht überlastet, die wirtschaftlichen Folgen sind abgemildert worden. Bei aller Kritik im Einzelnen, sind wir bisher achtsam durch die Krise geführt worden.

Uns Christenmenschen ist mit dem Bild vom guten Hirten auch ein Kriterium für die Beurteilung politischer Leitung gegeben. Wie gesagt, Politikerinnen und Politiker sind keine Hirten, aber in einer gesundheitlichen Bedrohungslage sind sie zuallererst Hüter von Leib und Leben aller. Geschieht das achtsam und mit Augenmaß? Zugleich markiert das Bild vom guten Hirten für uns Christenmenschen eine heilsame Distanz zum politischen Geschehen. Wir wissen nämlich, wer unser wahrer Hirte ist. „Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.“ Und er spricht: „Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir, und ich gebe ihnen das ewige Leben.“

Herzliche Grüße
Ihr
Dr. Dieter Splinter
Pfarrer