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Geistlicher Impuls zum Wochenspruch am Sonntag Rogate

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. (Psalm 66, 20)

Die Welt braucht Gebete. Wichtig sind sie zunächst für den, der betet. Eine kleine Geschichte macht es deutlich: „Dem Missionar einer Buschkirche in Neuguinea fiel ein Mann auf, der immer nach dem Gottesdienst noch lange Zeit in der Kapelle sitzenblieb. Dieser Mann schaute dann immer mit auf der Brust verschränkten Armen zum Altar, der jetzt abgeräumt und leer war. Einmal nahm sich der Missionar ein Herz und fragte den Mann, was er denn da die ganze Zeit bete. Der antwortete nur lächelnd: ‚Ich halte meine Seele in die Sonne.’“

Wer betet, spürt etwas von der Wärme Gottes. Wer betet, bekommt neue Energie. Wer betet, taucht ein in ein Licht, das er nicht selber gemacht hat. Wer betet, weiß: Ich bin nicht allein. Gott hält mich. Er trägt mich. Denn ja, es ist so: „Der Herr ist mein Hirte – mir wird nichts mangeln!“ Jedes Gebet ist ein Sonnenbad für die Seele. Im Gebet wird mir klar, dass ich selbst in schweren Zeiten Grund zur Dankbarkeit habe, denn Gott ist noch im finstersten Tal für mich da. Selbst dort muss ich kein Unglück fürchten. Darum: „Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von mir wendet.“

Wenn wir als Christenmenschen zusammenkommen, dann beten wir aber nicht bloß jeweils für uns selber. Wir tun es für alle Menschen. Ein christlicher Gottesdienst ist immer auch ein öffentlicher Gebetsdienst, besonders im Fürbittengebet. Darin nehmen wir die Welt ins Gebet. Wir beten für jene, die mühselig und beladen sind. Wir beten für jene, die krank sind und von Krieg heimgesucht werden. Wir beten für jene, die fliehen müssen und nicht mehr ein noch aus wissen. Ihre Not, die wir oft selber gar nicht ändern oder lindern können, legen wir Gott ans Herz und bitten ihn um Beistand und Hilfe. In unserer Ohnmacht nehmen wir Zuflucht zu seiner Allmacht. In unserer Schwäche vertrauen wir auf seine Stärke. In Unfrieden hoffen wir auf seinen Frieden, im Kreuz auf die Auferstehung. Wir bitten darum, dass Gottes Reich komme.

Beten ist so immer auch die Sprachschule des Glaubens. Wer betet, der nimmt von allen menschlichen Allmachtsfantasie Abschied. Wer betet, der weiß darum, dass er sich nicht selbst, sondern Gott verdankt. Wer seine Seele im Gebet in die Sonne hält, gibt zu, dass wir als Menschen alle miteinander im Wesentlichen bedürftig sind, Trost und Zuspruch brauchen – und auf Gott angewiesen sind. Er aber ist ja da und hat immer ein offenes Ohr für uns. Darum noch einmal: „Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von mir wendet.“

Herzliche Grüße
Ihr
Dr. Dieter Splinter
Pfarrer

Landeskirchlicher Beauftragter für den Prädikantendienst
an der Evangelischen Hochschule Freiburg
Buggingerstraße 38
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