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Geistlicher Impuls zum Wochenspruch am Sonntag Exaudi

Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen. (Johannes 12, 32)

Jesus baut auf das Hören und nicht auf das Sehen. Kein Wunder. In der Gegenwart kann man sehen, was vor Augen ist. Von der Zukunft aber kann man nur hören. Der Blick in die Zukunft geschieht mit den Ohren: „Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.“ Der Weg ist für Jesus vorgezeichnet. Auf seinen Tod am Kreuz folgt seine Auferstehung. Sein Ende wird für ihn zu einem neuen Anfang. Sein Weg wird vielen Mut machen. Wo der Glaube leer geworden ist, wird er wieder ganz gefüllt. Wo es keine Hoffnung mehr gibt, wird neue Hoffnung entstehen. Wo die Liebe zu Ende scheint, werden sich neue Wege auftun. Für viele wird das so sein. Genauer – für alle, die an ihn glauben:
„Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.“

Als Jesus diese Worte spricht, steht er seinen Hörern noch leibhaftig vor Augen. Seine Auferstehung hat sich noch nicht ereignet. Wir hingegen kennen das Ergebnis. Im Glaubensbekenntnis formulieren wir es so: “…am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters…“. Einerseits haben wir es so leichter als die ersten Hörer. Das „Wenn“ – die Erhöhung Jesu – liegt hinter uns. Andererseits haben wir es schwerer als die ersten Hörer. Sie hatten Jesus noch leibhaftig vor sich. Für uns gilt das nicht. Wir sind darum erst recht auf das Hören angewiesen. Wir sind darauf angewiesen, dass uns über das Hören der Blick in die Zukunft gestattet wird. Wohin soll es gehen? Welches Ziel hat unser Leben? Die Antwort und Verheißung Jesu ist einfach: Dorthin zu kommen, wo er schon ist. Wie aber erfahren wir im Hier und Jetzt davon, wenn Jesus nicht mehr leibhaftig vor uns steht?

Der Sonntag Exaudi verdankt seinen Namen einem Vers aus dem 27. Psalm: „Höre, Herr, meine Stimme, wenn ich rufe…“. Wer so betet, der weiß: Es kommt nicht bloß auf mein eigenes Hören an. Es kommt vor allem auch darauf an, dass mein Rufen und Beten auch wirklich erhört wird. Es kommt darauf an, dass mir das rechte Wort zur rechten Zeit gesagt wird. Es kommt darauf an, dass ich in Not und Verzweiflung nicht allein bin. Es kommt darauf an, dass ich das
Ziel meines Lebens nicht aus den Augen verliere. All das kann ich nicht allein. Darum: „Höre, Herr, meine Stimme, wenn ich rufe…“.

In seinen Abschiedsreden (Johannes 16) verspricht Jesus seinen Jüngern, dass sie nicht allein gelassen werden, wenn er nicht mehr leibhaftig unter ihnen weilt. Er verspricht ihnen und damit zugleich uns, dass wir – bis wir ganz bei ihm sein werden – als Christenmenschen von einem Geist erfüllt sein werden, der unseren Glauben wachsen, unsere Hoffnung nie sterben und unsere Liebe nie aufhören lassen wird.

Zwischen Himmelfahrt und Pfingsten, am Sonntag Exaudi, strecken wir uns nach diesem Geist aus und rufen nach ihm. Die Welt und wir alle haben ihn mehr als nötig: „O komm, du Geist der Wahrheit, und kehre bei uns ein, verbreite Licht und Klarheit, verbanne Trug und Schein. Gieß aus dein heilig Feuer, rühr Herz und Lippen an, dass jeglicher getreuer den Herrn bekennen kann.“ (EG 136,1) Das Bekenntnis, das hier eingefordert wird, lässt uns an Richtung und Ziel unseres Lebens festhalten – und weiterhin auf den hören, der es uns so vor Augen stellt: „Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.“

Herzliche Grüße
Ihr
Dr. Dieter Splinter
Pfarrer
Landeskirchlicher Beauftragter für den Prädikantendienst
an der Evangelischen Hochschule Freiburg
Buggingerstraße 38
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