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Geistlicher Impuls zum Wochenspruch am Pfingstsonntag

Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth. (Sacharja 4, 6b)

Gottes Geist bewegt. Er ist die treibende Kraft. Das wussten schon die Menschen, die zu Salomos Zeiten den ersten Tempel zu Jerusalem bauten. Im Allerheiligsten befand sich kein Gegenstand, denn dort wohnte der „ruach“ – der Geist Gottes. Obgleich Gott zugleich als der Herr Zebaoth galt – als der Herr der Heerscharen – war schon für die Menschen des Alten Testaments nicht der Krieg der Vater aller Dinge, sondern der Geist Gottes.

Seit der Ausgießung des Heiligen Geistes im Pfingstwunder – die Apostelgeschichte berichtet davon – sind gerade auch wir Christenmenschen uns dessen bewusst. Gottes Geist bewegt – und das ist bewegend: Wo Verständigung in sprachlichem Durcheinander und Stimmengewirr unmöglich erschien, wird plötzlich Verstehen möglich. Wo die Frage dominiert – „Wie geht es weiter?“ – tut sich der Himmel auf und Gottes Geist erfüllt die Gegenwart. An Pfingsten feiern wir das: „Wo du Wohnung hast genommen, da ist lauter Himmel hier.“ (EG 166, 2)

Freilich muss dieser Himmel geerdet sein, sonst wäre nur Begeisterung im Spiel. Die ist natürlich keineswegs schlecht. Nur kann sie schnell, allzu schnell verfliegen. Dort aber, wo der Geist Gottes wirklich Einzug gehalten hat, herrscht geerdete Geistesgegenwart.

Die macht sich bemerkbar. Etwa dann, wenn jemand das einzig Richtige in einer bedrohlichen Situation tut und so eine Katastrophe verhindert. „Geistesgegenwärtig“, sagen wir, „hat dieser Mensch gehandelt“ – nicht durch ein langes Abwägen von jedem Für und Wider, sondern spontan, einer plötzlichen Eingebung folgend. Und siehe da: Genau das Richtige zur rechten Zeit – Geistesgegenwart in einer brisanten Situation. „Gott sei Dank!“

In Ausnahmesituationen zeigt sich, welch Geistes Kind jemand auch im Alltag ist, wovon er sich bewegen lässt. Da ist es schon ein leicht zu erkennender Unterschied, ob einer überwiegend nach dem Motto lebt „Hauptsache ich habe!“ oder nach dem Motto „Was fehlt dem anderen?“ Und ob in einer Familie, in einem Haus, in einer Institution ein guter Geist herrscht, das lässt sich manchmal fast mit Händen greifen. In welches Krankenhaus jemand geht, wenn er wählen kann, richtet sich darum häufig nicht bloß nach der fachlichen Einschätzung, sondern eben auch danach, was ihm über den Geist des Hauses zugetragen wird: „Da kannst du ruhig hingehen, da herrscht ein guter Geist.“ Das gilt für vieles: Ausbildungsstellen, Arbeitsplätze, Altersheime, Kindergärten, Schulen, Kirchengemeinden.

Geistesgegenwart ist die Voraussetzung dafür, das Richtige zu tun – und zwar nicht nur in brisanten Situationen. In ihr gedeiht das Klima, in dem gute Taten reifen. In der Geistesgegenwart wird das, was aufbaut, gegen das Zerstörerische gesetzt. Diese Geistesgegenwart ist oft viel gegenwärtiger als uns das häufig bewusst ist. „Gott sei Dank!“ Pfingsten erinnert uns daran – und daran, welch Geistes Kind wir sind: „Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth.“

Herzliche Grüße
Ihr
Dr. Dieter Splinter
Pfarrer
Landeskirchlicher Beauftragter für den Prädikantendienst
an der Evangelischen Hochschule Freiburg
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