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Geistlicher Impuls zum Wochenspruch am 1. Sonntag nach Trinitatis

Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich. (Lukas 10, 16a)

Diese Worte sind ermutigend. Sie bergen zugleich eine große Gefahr in sich.

Diese Worte sind ermutigend. „Wer euch hört, der hört mich…“. Wer zu predigen hat, wird durch diese Worte gestärkt. Wer das Wort Gottes weitersagt, wer es verkündigt, der tut es nicht im eigenen Namen. Er tut es im Namen Jesu. Wer die Worte Jesu unter die Leute bringt, bringt ihn selber zu Gehör. Er oder sie werden zum Salz der Erde und zum Licht der Welt, wenn Worte Jesu wie diese hörbar gemacht werden: „Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen. Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.“ Wer Worte Jesu wie diese unter die Leute bringt, der kommt dem Auftrag Jesu nach, der da lautet: „Gehet hin und lehret alle Völker…“.

„Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich.“ Diese Worte sind aber nicht bloß ermutigend. Sie bergen zugleich eine große Gefahr in sich, denn sie können gründlich missverstanden werden. Wer das Wort Gottes, wer die Worte Jesu weitersagt, dem kann Widerspruch, gar Verachtung begegnen. Es gibt viel Unglaube in der Welt. Dieser Unglaube will vom Wort Gottes und der Botschaft Jesu nichts wissen. Wer aber nun seinerseits darauf als Christenmensch mit Rechthaberei reagiert, verstärkt den Unglauben nur. Er – oder sie – verliert so den Auftrag Jesu aus den Augen: „Tut wohl denen, die euch hassen; segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen.“

Wir sind Menschen und nicht Gott. Wenn wir das Wort Gottes unter die Leute bringen, tun wir das zwar in seinem Auftrag – wir können es aber immer nur mit unseren begrenzten Möglichkeiten tun. Aus dieser Spannung kommen wir nicht heraus. Wir müssen es aber auch nicht, weil wir gerade so auf Gott selber verweisen. Der bekannte Schweizer Theologe Karl Barth hat das so auf den Punkt gebracht (für „Theologen“ kann man sicher auch „Prädikantinnen“ oder „Prädikanten“ einsetzten): „Wir sollen als Theologen von Gott reden. Wir sind aber Menschen und können als solche nicht von Gott reden. Wir sollen beides, unser Sollen und unser Nicht-Können, wissen und eben damit Gott die Ehre geben.“

Ihr
Dr. Dieter Splinter
Pfarrer
Landeskirchlicher Beauftragter für den Prädikantendienst
an der Evangelischen Hochschule Freiburg
Buggingerstraße 38
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