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Geistlicher Impuls zum Wochenspruch am 2. Sonntag nach Trinitatis

Christus spricht: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Matthäus 11, 28)

„Kommt, denn es ist alles bereit…“. Diese Worte kennen wir aus der Feier des Abendmahls. Mit ihnen wird zum Empfang von Brot und Wein eingeladen – und damit zugleich zur Gemeinschaft mit dem Gekreuzigten und Auferstandenen. Aus dieser Gemeinschaft wird niemand ausgeschlossen. Vor allem nicht jene, die mühselig und beladen sind. Sie brauchen es besonders in der und durch die Gemeinschaft gestärkt zu werden, Christus nahe zu sein, bei ihm Ruhe zu finden – und so „erquickt“ zu werden. Und selbst, wenn es uns selber gut gehen mag, haben wir doch alle eine Ahnung davon, was es heißt, „mühselig und beladen“ zu sein. Und das auch nicht bloß deshalb, weil wir selber vielleicht das eine oder andere „Päckchen“ zu tragen haben oder schon so manche mit Mühsal beladene Arbeit zu bewältigen hatten. Nein, wie „mühselig und beladen“ man sein kann, das wird uns tagtäglich in und mit den Nachrichten vor Augen geführt. Gegenwärtig werden diese Nachrichten besonders von der Corona-Pandemie und der Bewegung „Black Lives Matter“ ausgefüllt. Angesichts der Bilder, die damit verbunden sind, wird mehr als deutlich, was es heißt, „mühselig und beladen“ zu sein.

Umso wichtiger ist es in diesen Zeiten weiterzusagen, dass es Christus ist, der da spricht: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.“ Es ist schmerzlich, dass wir in unseren Gemeinden im Gottesdienst, um die Ansteckungsgefahr in Corona-Zeiten zu verringern, kein Abendmahl feiern dürfen und damit die Gemeinschaft mit Christus nicht im Sakrament erleben können. Das sollte uns aber nicht daran hindern, weiterzusagen, worin denn die „Erquickung“ Jesu für die Mühseligen und Beladenen besteht.

„Fürwahr er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen…“. Schon die ersten Christen bezogen diese Worte des Propheten Jesaja auf Jesus Christus. Für sie war klar – und mit ihnen ist es das bis heute für alle Christenmenschen: In Christus wurde Gott so sehr Mensch, dass er das Leid der Mühseligen und Beladenen teilt. Gott schickt das Leid nicht, aber in Christus (er-) trägt es mit. Und zwar bis zum bitteren Ende. Das ist die eine Seite der „Erquickung“ durch Christus. Die andere: Gott hat es nicht beim bitteren Ende für Christus belassen, sondern ihn aus dem Tod geholt. Damit hat er uns die Hoffnung geschenkt, dass es ein Jenseits für alle Tragödien gibt und der Tod nie das letzte Wort behält, sondern er – Gott – allein. Darum sollten wir auch nicht müde werden, die Worte Jesu weiterzusagen: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“
Ihr

Dr. Dieter Splinter
Pfarrer
Landeskirchlicher Beauftragter für den Prädikantendienst
an der Evangelischen Hochschule Freiburg
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