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Geistlicher Impuls zum Wochenspruch am 6. Sonntag nach Trinitatis

So spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich ge­macht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! (Jesaja 43, 1)

Warum bin ich da? Wer hat mich gewollt? Was wird aus mir werden? Die Frage nach der Erwählung ist ein zentrales Problem jedes Lebens. In allen Bereichen spielt sie eine wichtige Rolle. In der Liebe: Bin ich seine Auserwählte? Bei jeder Bewerbung: Werde ich ausgewählt? Die verschiedenen Casting-Shows im Fernsehen spielen damit: Wer kommt weiter? Wer fällt durch? In Krisen, Katastrophen und Krankheiten: Gehöre ich zu denen, die es schaffen? So oder so – in der Erwählung geht es immer um das Eine, um Lebensgewissheit.

Für den Propheten Jesaja steht fest: Gott hat das Volk Israel erwählt. Er hat es aus der Knechtschaft in Ägypten befreit. Er erlöst es aus der babylonischen Gefangenschaft. Er wird für sein Volk da sein – komme, was da wolle. Gott steht zu und bei dem Volk, das er erwählt hat.

In Christus, so bekennen wir Christenmenschen, hat Gott seine Erwählung ausgeweitet. Die Erwählung seines Volkes Israel bleibt bestehen. Doch zugleich ist um Jesu Christi willen, der für uns gekreuzigt wurde und für uns auferstand, Gottes Erwählung nun auch für Nicht-Juden da: allein aus Gnade und allein aus Glauben. Das sichtbare Zeichen für diese Erwählung in Christus ist die Taufe. In und mit der Taufe wird einem jeden und einer jeden von uns zugesprochen: Gott hat Dein Leben gewollt. Gott hat Dich in sein Volk, zu seiner Gemeinde berufen. Gott hat Dich zum ewigen Leben erwählt.

Wie aber bleibe ich meiner Erwählung gewiss? Schließlich haben nicht alle auf dieser Welt die gleichen Lebenschancen. Nicht alle erfahren dasselbe Maß an Liebe und Glück. Nicht alle, die leben, sind auf der Erde willkommen, werden freudig begrüßt und andauernd bejaht. Sollte auch Gott einer sein, der nicht alle seine Geschöpfe gleichmäßig liebt?

Auch wir Glaubende verstehen Gott nicht immer. Dennoch sagen wir: Gott ist unermesslich in seiner Liebe. Unergründlich in seiner Gerechtigkeit. Er hat die Welt geschaffen – und doch gibt es das Böse darin. Darum bleiben die Fragen der Ungewissheit: Bin ich berufen? Bin ich erwählt? Bin ich geliebt? Die Antwort kommt nicht aus uns selber. Sie kommt aus dem Wort Gottes. Und so spricht der Herr, der dich geschaffen hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!

Ihr

Dr. Dieter Splinter
Pfarrer
Landeskirchlicher Beauftragter für den Prädikantendienst
an der Evangelischen Hochschule Freiburg
Buggingerstraße 38
79114 Freiburg
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