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Geistlicher Impuls zum 7. Sonntag nach Trinitatis

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen. (Epheser 2, 19)

Zu Hause sein, dazu gehören, kein geduldeter Gast mehr, kein Fremder mehr, ganz und gar angekommen. Wir Menschen brauchen das: beheimatet zu sein, wissen, wohin man gehört, kein Bürger zweiter Klasse zu sein, sondern ein Bürger wie jeder andere auch. Beheimatung – das soll es vor allem unter Christenmenschen geben, auch und gerade für jene, die fremd sind, sich vielleicht sogar auf der Flucht befinden. Gerade sie brauchen „Genossen“, Menschen, die für sie da sind. In einer Genossenschaft steht jeder für jeden ein. Und das gilt besonders für jene, die Gottes Hausgenossen sind – also für jene, die in Wort und Sakrament Gottes Nähe erfahren und auf seine Zusage hören, die da lautet: „Ich bin für euch da!“

Solch eine Genossenschaft trägt. Sie ist das, was den Zusammenhalt in einer Gemeinde ausmacht. Da muss nicht gleich jeder jeden innig und immer lieben. Aber man ist füreinander da, hilft einander, steht einander bei.

Wo diese Genossenschaft in einer Gemeinde gelebt wird, wird Gottes Gegenwart spürbar und die Einigkeit untereinander wächst. Solch eine Einigkeit macht stark. Wo diese Einigkeit vorhanden ist, wächst zugleich die Kraft für ein besseres Leben einzutreten. Für Martin Luther King Jr. etwa und für die, die mit ihm gegen die Rassentrennung in den USA vorgingen, war klar: Wer gegen Unrecht vorgeht, kann sich aus Konflikten nicht heraushalten. Wer Eintracht will, wird vorübergehend Zwietracht nicht vermeiden können. Aber der Zweck heiligt nicht die Mittel. Wer will, dass Menschen liebevoller miteinander umgehen, darf nicht selber lieblos vorgehen.

Wer möchte, dass es barmherzig unter den Menschen zugeht, darf selber nicht unbarmherzig sein. Die Mittel müssen den Zielen entsprechen. Wo das in einer Gemeinde vorgelebt wird, strahlt es aus und wird zu einer Einladung an jene, die auf der Suche nach Halt, Beheimatung und Sinn in ihrem Leben sind.
Denn gerade sie brauchen die Hoffnung, dass diese Zusage wahr wird: „So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.“

Ihr
Dr. Dieter Splinter
Pfarrer

Landeskirchlicher Beauftragter für den Prädikantendienst
an der Evangelischen Hochschule Freiburg
Buggingerstraße 38
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