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Geistlicher Impuls zum Wochenspruch am 8. Sonntag nach Trinitatis

Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit. (Epheser 5, 8b.9)

Wenn die Bibel vom Licht spricht, tut sie es mit drei einfachen Einsichten: Gott ist der Schöpfer des Lichts; Christus ist der Bürge des Lichts; und der Heilige Geist macht uns zu Boten des Lichts.

Gott ist der Schöpfer des Lichts. „Und Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht, und es seien Lichter an der Feste des Himmels, dass sie scheinen auf die Erde. Und Gott setzte sie an den Himmel, dass sie den Tag und die Nacht regierten und schieden Licht und Finsternis. Und Gott sah, dass es gut war.“ So heißt es im biblischen Schöpfungsbericht. In der Umwelt des alten Israel hielt man die Sonne, den Mond und die  Sterne für Götter. Die Leute waren Sonnenanbeter im wahrsten Sinne des Wortes. Der Schöpfungsglaube jedoch entgöttert die Welt. Auch das Licht ist ein Teil von Gottes guter Schöpfung und kann erforscht werden. Es ist aber nicht selber Gott. Es weist auf Gott hin, Gott aber ist unausforschlich. Er ist immer größer als das Licht, das wir sehen und größer als das Licht unserer Vernunft.

Jesus ist der Bürge des Lichts. So wichtig für uns die Sonne ist – darum pflegen viele im Sommer, wie es heißt, „Sonne zu tanken“ – wir leben nicht nur vom äußeren Licht. Ob wir mit unserem Leben im Reinen sind, entscheidet sich nicht daran, ob die Sonne scheint. „Hab‘ Sonne im Herzen, ob’s stürmt oder schneit“. Dieser Spruch ist zwar banal, trifft aber etwas Richtiges. Entscheidend kommt es darauf an, welches Licht, welche Sonne in unserem Herzen regiert. „Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.“ Dass wir uns dem entgegen strecken, der von sich sagen kann – „Ich bin das Licht der Welt!“ – darauf kommt es an. Dieses Licht ist immer schon da. Dass wir lernen, dieses eine Licht von den vielen Irrlichtern dieser Welt zu unterscheiden, das macht den Sinn unseres Lebens aus.

Der Heilige Geist macht uns zu Boten des Lichts. Gottes Geist ist nicht ein Geist der Verzagtheit, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Darum heißt es in der Bergpredigt: „Ihr seid das Licht der Welt!“ „Lebt als Kinder des Lichts!“ heißt das Echo dieses Wortes Jesu im Epheserbrief. „Aber ich bin doch nur ein kleines Licht“, mögen viele einwenden, „wie soll ich ein Licht für die Welt sein?“ Die Antwort: Alles Wichtige fängt klein an. Deine Gaben erscheinen dir bedeutungslos? Es kommt darauf an, in welchem Licht du sie siehst. Andere leuchten mehr als du? Schlag dir solche Gedanken aus dem Kopf. Gott vergleicht nicht. Gott
liebt. Deshalb sind wir alle Kinder Gottes, Kinder des Lichts und nicht der Finsternis.

Und die Früchte dieses Lichts sind für uns alle erschwinglich; keinem hängen diese Trauben zu hoch: „Die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.“ Mich berührt besonders, dass da die Güte an erster Stelle genannt ist. Das Streben nach Gerechtigkeit kann unbarmherzig machen, Wahrheitsliebe kann zum Fanatismus verkommen, wenn es an Güte fehlt. Alle drei gemeinsam zeigen das Licht erst an. Durch Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit zusammen werden wir zu Boten des Lichts.

Ihr

Dr. Dieter Splinter

Pfarrer
Landeskirchlicher Beauftragter für den Prädikantendienst
an der Evangelischen Hochschule Freiburg